Berliner Immobilienmarkt: Umsatzentwicklung seit 1990

Berliner Immobilienmarkt: Umsatzentwicklung seit 1990

Das vereinte Berlin ist die einzige Stadt und zugleich das einzige Bundesland der Bundesrepublik Deutschland, das Ost- und Weststrukturen in sich vereinigte. Es ist spannend zu beobachten, wie die Entwicklung auf einem dementsprechend sehr heterogenen Immobilienmarkt vor sich ging.

Mit dem 3. Oktober 1990 galten die Rahmenbedingungen des freien Immobilienmarktes auch im östlichen Stadtgebiet. Die Zahl der Immobilienkauffälle veränderte sich in der Stadt in den ersten beiden Jahren nach der Vereinigung allerdings nur wenig. Dazu trug einerseits die deutliche Zurückhaltung auf der Anbieterseite bei, die auf einem noch nicht gefestigten Markt die weitere Entwicklung abwartete, andererseits behinderten über lange Zeit ungeklärte Eigentumsverhältnisse an den Grundstücken im östlichen Stadtgebiet vielfach den Immobilienmarkt.
Die Erwartungshaltung über die politische und wirtschaftliche Entwicklung der Stadt war überaus groß und von der Euphorie einer schon bald heranwachsenden neuen europäischen Metropole getragen. Die daraus spekulativ entstandene starke Nachfrage nach Immobilien im vereinten Berlin führte wegen des zurückhaltenden Angebotes sehr schnell zu massiven Preissteigerungen. Betrug der Geldumsatz 1990 noch rund 3,7 Milliarden €, wuchs er 1991 durch einen beispiellosen Zuwachs binnen Jahresfrist um 60 % auf über 6 Milliarden €. Nach weiteren deutlichen Steigerungen überstieg der Jahresumsatz im Jahr 1993 erstmals den Wert von 10 Milliarden €.
Die zunächst prognostizierte Zuzugswelle nach Berlin mit entsprechend starkem Anstieg der Bevölkerungszahl blieb aus. Dagegen war zunächst die Abwanderung von Berlinern und Berlinerinnen insbesondere in das unmittelbare Brandenburger Umland, den sogenannten „Speckgürtel“, auszumachen. Viele konnten sich dort – nicht zuletzt wegen des deutlichen Preisgefälles gegenüber Berlin – ihren Wunsch von einem Eigenheim in Stadtnähe erfüllen. Dieser Trend ging ab 1999 kontinuierlich zurück, sodass seit 2009 pro Jahr mehr Personen von Brandenburg nach Berlin ziehen als umgekehrt.
Nach zum Teil überzogenen Erwartungen der Nachwendezeit waren die Jahre 1999 und 2000 durch deutliche Umsatzrückgänge gekennzeichnet. Anleger investierten vermehrt in den Aktienmarkt. 2005/2006 waren erneut sehr deutliche Umsatzsteigerungen festzustellen. Sie waren auf die außergewöhnliche Ausweitung des Erwerbs ganzer Immobilienportfolios, sogenannter Paketverkäufe, über Renditegrundstücke und Eigentumswohnungen vor allem durch ausländische Finanzinvestoren zurückzuführen. 2006 war das Spitzenjahr: der Geldumsatz hatte sich seit Anfang der 90er Jahre nahezu verdreifacht, die Zahl der Kauffälle hatte sich verdoppelt. Ab 2007 ging diese Verkaufsstrategie allerdings wieder zurück, was eine Rückkehr zu den Marktverhältnissen vor 2005 darstellte.
Im Jahr 2008 wurde die Entwicklung auf dem Immobilienmarkt durch die Banken- und Finanzkrise überlagert, der Geldumsatz verringerte sich um über 50 % gegenüber 2007. Von 2010 bis 2013 verzeichnete der Berliner Immobilienmarkt kontinuierlich steigende Umsatzzahlen mit 2013 als neuem Spitzenjahr. Infolge der erneuten Grundsteueranhebung zum 01.01. waren 2014 wiederum erhebliche Umsatzrückgänge zu verzeichnen.
Der jährliche Zuzug von mehr als 44.000 Personen unterstreicht die Attraktivität der Metropole Berlin. Er stellt aber gleichzeitig Politik und Verwaltung vor immense Herausforderungen in Bezug auf die Bereitstellung von Wohnraum. Auf dem Berliner Immobilienmarkt dominieren in den nächsten Jahren somit ganz klar folgende zwei Tendenzen: anhaltende Anfrage sowie weiter anziehende Preise.

Quelle: Bericht über den Berliner Grundstücksmarkt 2014/2015

(Oracom Customer Care Center Immobilien: Oracom News , Berliner Immobilienmarkt: Umsatzentwicklung seit 1990 , 08.02.2016)

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